Erinnerungskultur: Weimers Dekolonisierung

Der Kulturstaatsminister streicht den Kolonialismus aus dem Gedenkstättenkonzept. Historiker sind irritiert, die SPD kündigt Widerstand an.

Der Kulturstaatsminister streicht den Kolonialismus aus dem Gedenkstättenkonzept. Historiker sind irritiert, die SPD kündigt Widerstand an.
Wie viel kann ein kleiner Verein in einem Dorf mit nicht einmal 200 Einwohnerinnen und Einwohnern bewegen? In Gebstedt zeigt sich: erstaunlich viel. Möglich wird das durch Engagement, Gemeinschaft und die richtige Förderung.
Besonders sichtbar wurde dies mit Unterstützung des Förderprogramms transform_D der DSEE: Im Dezember 2023 pflanzten Engagierte in Gebstedt über 300 neue Bäume, erneuerten Feldwege und Streuobstwiesen und errichteten eine solarbetriebene E-Bike-Ladestation. „Ohne die Ausschreibung von transform_D hätten wir uns als kleines Minidorf ehrlicherweise wohl nicht einmal gefragt, ob wir selbst einen Beitrag zum Klimawandel leisten können – geschweige denn eine so umfangreiche Aktion umzusetzen.“, so ein Mitglied des Heimatvereins Gebstedt e.V.
Heute summen nach über zwanzig Jahren wieder Honigbienen durchs Dorf: Ausgehend von einigen Stöcken entstand ein Imkergarten mit historischen Geräten, Ausstellungen und sogar einer kleinen Galerie mit Kinder-Imker-Jacken. Damit führt der Verein insbesondere junge Menschen an das Thema heran und begeistert sie für Natur- und Umweltschutz.
Die Erfolge in Gebstedt basieren zugleich auf einem starken Fundament: dem Programm Engagiertes Land. Es ermöglichte ab 2019 den Wiederaufbau des historischen Backhauses, das nach über 3.500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit wieder zum lebendigen Treffpunkt wurde. Darüber hinaus legte „Engagiertes Land“ den Grundstein für ein dauerhaftes Netzwerk in der Landgemeinde Bad Sulza. Einzelinitiativen wurden zusammengeführt, regionale Treffen etabliert und Materialpools aufgebaut. Mit der Gründung des Vereins Engagierte Landgemeinde Bad Sulza e.V. Anfang 2022 erhielt das Netzwerk einen organisatorischen Rahmen und wirkt seither weit über die Dorfgrenzen hinaus.
Die Beispiele aus Gebstedt zeigen eindrucksvoll: Gezielte Förderung verändert ländliche Räume nachhaltig. transform_D und „Engagiertes Land“ eröffnen Perspektiven, geben Mut zu großen Projekten und stärken zugleich die Gemeinschaft vor Ort. Aus einem einzelnen Dorfprojekt wurde ein regionaler Aufbruch – getragen von Ehrenamtlichen und gefördert durch die DSEE.

Als 1992 Neonazis einen Brandanschlag auf türkische Familien verübten, stellten Beamte die Kondolenzbriefe nicht zu. Nun erreichen sie die Angehörigen mit 30 Jahren Verspätung, wie Martina Priessner im bewegenden Film „Die Möllner Briefe“ zeigt.

Essen und Dresden feiern den südafrikanischen Zeichner, Theatermacher und Regisseur William Kentridge mit gleich vier Ausstellungen auf einmal. Dessen Kritik von unbeherrscht Herrschenden ist aktueller denn je.

Ein Stück über eine Kuh und Johanna von Orleans in Zeitlupe: Pınar Karabulut und Rafael Sanchez legen mit ihrer Intendanz am Schauspielhaus Zürich los.

Die Philosophin Manon Garcia hat den Pelicot-Prozess im Gerichtssaal beobachtet. Ihr neues Buch „Mit Männern leben“ dreht sich um die beunruhigende Frage: Wie sehr liegt es in der Natur des Mannes, Vergewaltigungen zu begehen?

Nina Chuba unterhält 1,2 Millionen bei Tiktok, podcastet lustig, synchronisiert Tiere in Animationsfilmen. Respekt. Nur die Musik scheint gerade keine Kerndisziplin mehr zu sein.

Der 55. Deutschen Historikertag in Bonn zeigt Geschichtswissenschaftler und Politiker in Sorge. Was hilft gegen gefährliche historische Legendenbildung und Machtmissbrauch?

Heinrich August Winkler, der wohl bekannteste Zeithistoriker der Republik, hatte viele Gegner von links und rechts. In seinen Erinnerungen zeigt er sich als Verfechter der Freiheit und übt viel Kritik an seiner Partei, der SPD. Und ja, auch ein wenig Selbstkritik.

Ein wilder Sprachstrom zwischen Koran und Kafka, Türkei und schwulem Berlin: Mit „Hundesohn“ hat Ozan Zakariya Keskinkılıç ein erstaunliches Romandebüt vorgelegt.